Mit der Entscheidung, alle Transaktionen zukünftig ausschließlich über das elektronische Handelssystem Xetra abzuwickeln, verabschiedet sich die Frankfurter Wertpapierbörse als eine der letzten großen europäischen Handelsplätze endgültig vom klassischen Kursmaklermodell. Zukünftig wird es aber "Xetra-Spezialisten" geben, die, sofern nötig, ebenfalls Nachfrage und Angebot zusammenführen sollen, um dadurch Liquidität zu schaffen. Bekommen die alten Skontroführer also nur einen neuen Namen und machen ansonsten so weiter wie bisher?
Der Eintritt in die Zukunft
Strategisch mache die Entscheidung sowohl für die Deutsche Börse als auch für den Endkunden Sinn, den Handel komplett auf die Xetra-Plattform zu verlagern, so Carsten Luetke-Bornefeld vom Düsseldorfer Handelshaus Lang & Schwarz. Die Plattform bietet zukünftig mehr Internationalität, der Teilnehmerkreis verdoppelt sich von aktuell 120 angeschlossenen professionellen Handelspartnern auf zukünftig 240. Dadurch wird der Markt insgesamt liquider, was im Interesse des Anlegers liegt.
Das Aufgabenfeld des "Xetra-Spezialisten"
Ähnlich wie auf der aktuellen Derivate-Plattform Scoach der Frankfurter Börse wird der "Xetra-Spezialist" dafür verantwortlich sein, wenn nötig im System Kurse zu stellen und damit für Liquidität zu sorgen.
Künftig wird der Spezialist nur noch für illiquide Werte, wie etwa Auslandsaktien zuständig sein, die in Frankfurt weiterhin notiert sind. Umsatzstarke Standardwerte wie Dax- oder MDax-Titel werden zukünftig ausschließlich maschinell gehandelt. Für diese Aktien entfällt zukünftig ein Makler oder Skontroführer gänzlich. Bei den illiquiden Werten kann es jedoch notwendig werden, Angebot und Nachfrage "per Hand" zusammen zu führen.
Das wird immer dann der Fall sein, wenn Angebots- oder Nachfrageüberhänge entstehen, die maschinell nicht einfach abgearbeitet werden können. Ein Beispiel: Es stehen 100 Aktien zum Kauf und 120 zum Verkauf. Aufgabe des Spezialisten wird es dann sein, zunächst die 100 Aktien zusammen zu führen, für die ein Umsatz getätigt werden kann. Die übrigen 20 Stück, also den Angebotsüberhang, nimmt er auf eigene Rechnung und damit als Risiko in seine Bücher. Sofern der neue "Spezialist" ein ehemaliger Skontroführer ist, ändert sich für ihn also zunächst nicht viel.
Wer bekommt was vom Kuchen?
Bleibt die Frage, wie die Mandate zukünftig aufgeteilt und wie viele Spezialisten überhaupt gebraucht werden. Klar ist bisher nur, dass zukünftig nicht alle Makler automatisch zu "Xetra-Spezialisten" werden. Wie die juristischen Auseinandersetzungen der Vergangenheit zeigen, dürfte die Verteilung, über die künftig allein die Deutsche Börse entscheidet, nicht ohne einen harten Verteilungskampf vor sich gehen. Auch davon verspricht sich der Börsenbetreiber eine bessere Qualität seines Angebotes.
Mit der beschlossenen Übergangsfrist von zwei Jahren lässt der Börsenrat den Maklern Zeit, um sich auf die Änderungen entsprechend einzustellen. Insgesamt kann es keinen Zweifel daran geben, dass der Markt in den nächsten zwei Jahren konsolidieren wird, so Luetke-Bornefeld.
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