Schön heimelig-kruschelig sieht es aus im neuen Kulturpalast: Kein cooles Großstadtdesigns, stattdessen erinnert die Atmosphäre an urige Musikkneipen in St. Pauli.
Auf der kleinen Bühne türmt sich ein Sammelsurium an Requisiten: An der Wand hängt ein Ölschinken, auf dem Hans Albers zu sehen ist, daneben Regale voll mit alten Wälzern. In der Mitte stehen ein dunkler Holztisch und ein Stuhl, gepolstert mit rotem Plüsch.
Seit Mitte Dezember gibt es den Kulturpalast in den Räumen des ehemaligen Offizierskasinos an der Hanauer Lamboystraße 52. Er beherbergt auf 1000 Quadratmetern neben dem Theater auch Bar, Kneipe und Restaurant.
Zum Kulturprogramm gehören Livemusik, Shows und Theater. Auch Salsa-Workshops werden angeboten.
Die nächste Veranstaltung ist am Freitag, 29. Januar, 21 Uhr, eine Musicalshow mit Darstellern der Märchenfestspiele.
Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 18 Uhr an. Weitere Infos unter Telefon 0163/2184075 oder im Internet unter www.kulturpalasthanau.de. (pam)
Auch für die Instrumente der "Salonband", die den Hauptakteur Rüdiger Schade begleitet, ist in diesem liebenswerten Durcheinander noch Platz. Der Hanauer Schauspieler, lokal bekannt durch seine Auftritte bei den Märchenfestspielen und im Musical "Evita", hatte am Sonntag mit seiner Reihe "Rüdigs Salong" Premiere.
Die Bühnenshow soll eine der festen Größen im neuen Hanauer Kulturpalast an der Lamboystraße 52 werden und fortan jeden dritten Sonntag im Monat auf dem Programm stehen. Der Anfang war in puncto Publikumsresonanz vielversprechend: Die Veranstaltung war schon seit Tagen ausverkauft.
Das Publikum musste warten
Allerdings ließ Schade seine Zuschauer eine halbe Stunde lang warten. Die Verspätung (für die es weder eine eine Erklärung noch Entschuldigung gab) schlug doppelt zu Buche, weil das Programm zuweilen ausuferte und streckenweise etwas zäh geriet.
Als Gastgeber präsentiert sich der Mime in gekonnt fürchterlicher Aufmachung mit nach hinten gekämmten Haaren, dicker Brille und Rhombenpullunder über dem pummeligen Leib - eine skurrile, hessisch babbelnde Kunstfigur, die viel von Schade selbst und ein bisschen was von Heinz Schenk hat.
Zwischendurch gibt er auch mal den Heinz Schlämmer, was der Schauspieler mit der sonoren Stimme zwar gut kann, aber doch lieber Hape Kerkeling überlassen sollte: Eine Kopie des ohnehin stark strapazierten Charakters wirkt ausgelutscht.
Das Format von "Rüdis Salong" ist eine Mischung aus Comedyprogramm und auf die Bühne transferierter TV-Late-Night-Show. Rüdiger Schade macht Witze, bezieht das Publikum dabei ein: "Was, aus dem Taunus kommst du. Weißt du, was das heißt, wenn man ein B und ein E einfügt?" Höhö, taube Nuss. Es folgen allerlei Sprüche, mal lustig, mal nicht ganz geschmackssicher, sowie eine Sex-Beratungsstunde für Leute, die sich beim Lachen gerne auf die Schenkel klopfen.
Vor allem aber gibt es viel Musik. Schade singt selbst, hoppst dazu so gewollt ungelenk wie ungestüm; eine eigenwillige, aber durchaus unterhaltsame Performance. Als Gäste führt er andere Künstler des Kulturpalasts ein, so Meike Garden, die mit ihrem Programm "Meikes Wohnzimmer" reüssiert, oder das geistreiche und witzige Duo "Stimme trifft Piano" mit Angela Scochi und René Pohl.
Weitere Gäste sind Börsenspezialist Frank Lehmann, der mit Schade den Apfelwein besingt, und ein (vermeintlich) aus Sri Lanka stammender Karikaturist mit unaussprechlichem Namen. Wie er mit perfekt holperndem Akzent und flinkem Strich einen Zuschauer treffsicher skizziert, gehört zu den Höhepunkten des Abends - auch wenn die Nummer etwas lang gerät.
Insgesamt hat "Rüdis Salong" trotz einiger Schwächen gute Ansätze. Die Mischung stimmt, könnte aber mehr Esprit und weniger Plattheiten vertragen. Vor allem sollte Schade das nächste Mal straffen - auch wenn es als respektable Leistung anzuerkennen ist, als Entertainer mehr als vier Stunden lang auf der Bühne im Kontakt mit den Zuschauern zu agieren.