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Jungfrau Zeitung - Zeit der Herausforderung ist noch nicht vorbei

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Sonntag, 05. September 2010
 
Alpensymposium 2010  |  21. Januar 2010

Zeit der Herausforderung ist noch nicht vorbei

Warnende Worte zum Abschluss des 8. Alpensymposiums

Trotz der leichten Erholung der Wirtschaft sehen nicht alle Referenten die Zukunft rosig. Börsenspezialist Marc Faber und Sheikh Samir A.S. Mirdad, Wirtschaftsberater in Dubai, prophezeien zum Abschluss des 8. Alpensymposiums eine Verschiebung der Wirtschaftskraft vom Westen in den Osten.

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Sheikh Samir A.S. Mirdad geht von einer prosperierenden Zukunft für die arabischen Emirate aus, auch in der Zeit nach dem Öl.

Fotos: Beat Kohler


Die zufriedenen Gesichter der Teilnehmer am 8. Alpensymposium im Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa kontrastierten sich am Schlussnachmittag mit den Inhalten der Referenten. So wie sich die positive Beurteilung des Symposiums mit der negativen Beurteilung der Weltwirtschaft kontrastierte. Dies insbesondere mit der Beurteilung von Marc Faber.


USA leben über ihre Verhältnisse

Der in Asien lebende Börsenspezialist geisselte das Verhalten der USA. Das wirtschaftliche Verhalten von US-Präsident Barack Obama lasse selbst Georg W. Bush noch als Genie aussehen. Die US-Notenbank habe unter Alan Greenspan und auch unter Ben Bernanke wirtschaftliche Blasen in allen Bereichen ermöglicht. «Was haben die geraucht», fragte sich Faber, angesichts der enormen Schuldenentwicklung, welche von der Nationalbank unbemerkt geblieben ist. Die USA kämen gar nicht darum herum weiter Geld zu drucken. Diese Staatsschuld würde sich bei einer Verringerung der Geldmenge und steigenden Zinsen noch vergrössern, weil die Zinslast stark zunähme. Faber sagte voraus, dass das US-Haushaltsdefizit nicht mehr unter eine Billion Dollar fallen wird. Die Geldmenge weiter zu erhöhen und die Zinsen weiterhin tief zu halten werde aber die Probleme nicht lösen, nur verschieben. «Wenn Geld drucken reich machen würde, wäre Simbabwe das reichste Land der Welt», so Faber.


Westliche Arroganz

«Der Westen ist arrogant, weil er glaubt, er sei der grösste Wirtschaftsraum», so Faber. Im Moment sei aber die Finanzlage der Schwellenländer gut. Asien werde auf jeden Fall wachsen. In diesem Raum leben 3,7 Milliarden Menschen, welche sich wirtschaftlich entwickeln, auch wenn der Westen protektionistische Massnahmen ergreifen würde. In absoluten Zahlen werde der Westen nicht zwingend zurückfallen müssen, relativ gesehen aber auf jeden Fall. «Ihre Kinder werden wahrscheinlich den Lebensstandard haben, den sie haben», prognostizierte der Börsenspezialist. Als gute Anlagen riet er einerseits zu asiatischen Wertpapieren und andererseits zu Rohstoffen, am besten Gold, das real in einem Tresor vorhanden ist.


Östlicher Aufstieg

Einen Aufstieg Asiens inklusive des Nahen Ostens sieht auch Sheikh Samir A.S. Mirdad. Er gehört zu den einflussreichsten Personen im Nahen Osten und berät Königshäuser und Wirtschaftsführer. Milliardengeschäfte sind für ihn nichts Unübliches. Die Krise, die Dubai, wo Mirdad lebt, erfasst hat, schätzt der Sheikh als kurzfristiges Phänomen ein. Zudem habe diese Krise gezeigt, dass sich die Länder der Arabischen Emirate gegenseitig aushelfen. Der Nahe Osten verfüge praktisch über unbegrenzte Geldmittel. In Dubai habe man die Infrastruktur soweit modernisiert, dass man auf die Zeit nach dem Öl vorbereitet sei. Dubai sei praktisch die Hauptstadt der Welt, stehe aber wie jedes andere Land der Welt vor Herausforderungen, so Mirdad. Soweit industrielle Produktion nicht möglich ist, kaufen sich die Emirate in grosse Unternehmen ein. Es gehe um Anpassungsfähigkeit. Wer sich nicht anpasst, stirbt aus, wie die Dinosaurier.


Frieden und der Fürst

Im Berner Oberland wurde Mirdad dadurch bekannt, dass er Snowboard-Olympiasiegerin Tanja Frieden in die grosse Skihalle in Dubai zum gemeinsamen Snowboarden einlud. Die Begegnung wurde in einem DOK-Film festgehalten. Im Pressegespräch zeigte Mirdad die Mentalitätsunterschiede anhand dieser Bekanntschaft auf. Sein Haus in Dubai stehe für seine Freunde immer offen. Wenn er mit der Snowboarderin in der Schweiz einen Kaffee trinken gehen wolle, so müsse er das fünf Monate im Voraus abmachen. Probleme für die Geschäftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Dubai sieht Mirdad trotz Mentalitätsunterschieden auch nach dem Ja zum Minarettverbot in der Schweiz nicht. Er wusste nicht einmal, dass es eine solche Abstimmung gab und konnte sich auch nicht vorstellen, wozu Minarette in der Schweiz nütze sein sollten. Solche Fragen interessierten vor allem religiöse Extremisten, wie es sie in jeder Religion gibt. Dass Fundamentalismus überhaupt eine Chance habe, sei ein Folge mangelnder Bildung. Der überwiegende Teil der Muslime sei aber keinesfalls fanatisiert, betonte Mirdad.


Nachgefragt

Oliver Stoldt, Organisator des Alpensymposiums, ist sehr zufrieden.

Beat Kohler: Wie sind Sie mit dem Alpensymposium 2010 zufrieden?

Oliver Stoldt: Sehr. Die Kommentare der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen mir, dass es das beste Alpensymposium war, das es bis jetzt gegeben hat. Die Teilnehmer sind absolut glücklich und zufrieden. Es waren zwei tolle Tage. Damit bin ich als Organisator des Symposiums natürlich auch zufrieden.


Was stach besonders hervor?

Die Auswahl und die Mischung der Referenten, die Thematik. Der rote Faden zum Thema Durchbruch zog sich vom ersten bis zum letzten Referat durch. Zudem haben die Gäste zusammen mit der Atmosphäre hier im Victoria-Jungfrau ein ganzheitliches Paket erhalten.


Und für Sie persönlich?

Für mich stimmte die Qualität rundherum. Die Qualität der Referenten und der Referate. Wieder hier im Victoria-Jungfrau und im Berner Oberland zu sein, ist toll. Ich hatte jeden Referenten schon im Vorfeld besucht und habe die Referate auch schon gehört. So hatte ich Zeit, Gastgeber zu sein, die Leute zu begrüssen und mit ihnen zu sprechen, was natürlich auch Teil des Alpensymposiums ist.


Wo steht die Planung für das kommende Jahr?

Das Thema für das kommende Jahr haben wir letzten November festgelegt. Das Datum steht mit dem 18. Und 19. Januar 2011. Wir bleiben hier im Victoria-Jungfrau Grand Hotel in Interlaken. Wir werden mit den Verantwortlichen des Hotels zusammensitzen und die Planung für die kommenden fünf Jahre an die Hand nehmen, damit wir das Alpensymposium hier beheimaten können.


Das Alpensymposium wird also diese Grösse und diesen Rahmen behalten?

Wir müssen jedes Jahr 100 bis 120 Personen absagen. Die Grenze, bei der wir ein qualitativ hochstehendes Symposium bieten können, liegt bei 400 Personen pro Tag. Diese Zahl können wir gut handhaben. Werden wir grösser, werden wir zu einer Massenveranstaltung. Es wäre dann auch nicht mehr so persönlich, der Geist des Symposiums ginge verloren.


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inserat

Artikelinfo

  • Artikel Nr. 100602
  • 21.01.2010, 12.20 Uhr
  • Autor/in: Beat Kohler
  • Seitenaufrufe: 687
  • Ausdruck vom: 05.09.2010


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